Archiv der Kategorie: Jahreszeiten

Ein Versuch

Nachdem Isa in letzter Zeit auf Instagram unterwegs ist, und wir das gleich auch auf Facebook teilen (Pfui!), teile ich ihre letzten beiden Beiträge mal hier:

 

Ein Grund, warum wir vermehrt Facebook und Instagram nutzen, liegt darin, dass wir auf dem Blog so gut wie keine Rückmeldung darüber haben, ob es überhaupt von jemandem gelesen wird. Der letzte Kommentar ist leider schon Monate her.

Wenn ihr uns also eine Freude machen wollt, dann kommentiert bitte mal wieder was!

Zum Brechen mit den Apfelbäumen

Der Sommer der brechenden Äste

Ich schaue nach den Schafen, ob sie Wasser haben, und gehe über die Stadelweide, das ist die gegenüber des Misthaufens, wo die vielen alten Apfelbäume stehen. Einer davon ist vor zwei Jahren umgefallen, weil er einfach schon alt war. Wir haben das Astwerk entfernt und den Strunk mit zwei Hauptästen liegen lassen, damit wir drauf sitzen können, und die Lämmer damit spielen. Wer weiß, vielleicht wirkt es auch als Insektenhotel.

Der alte Weingartenpfirsich steht auch auf der Weide. Den hat’s auch vor ein zwei Jahren erwischt. Erst war er bis zu einer gewissen Höhe blattlos, dann ganz und am Stamm hat sich schlängelförmig die Rinde abgelöst. Ja, Alterserscheinungen, denke ich mir.

Ich gehe weiter und sehe den einen Ast vom großen Grafensteiner-Apfel-Baum. Der ist schon vor ein paar Wochen runter gebrochen, weil er so voller Äpfel war.

Wir hatten 2016 und 2017 jeweils einen späten Frost, der die Blüten der Apfelbäume zerstörte, sodass wir sehr wenig Ernte hatten (so, dass wir keinen Saft machten, und auch kaum zum Lagern hatten). Dieses Jahr jetzt, nach zwei Jahren Pause, ohne Frost und mit sehr guten Niederschlagsbedingungen bei gleichzeitig viel Sonne, wollten die Apfelbäume zeigen, was sie können. Und krach, da war’s zu viel. Traurig, aber dieser eine Ast hing eh schon nahe zur Straße, und hätte wohl ohnehin gestutzt oder entfernt werden müssen. Also säge geholt und zusammengeschnitten. Immerhin haben sich die Schafe über das Laub gefreut.

Aber dann sehe ich da noch einen Baum, von dem die Hälfte herunter gebrochen ist. Und noch einen. Und dort noch ein großer Ast, fast die Hälfte, und dort drüben ist einer ganz umgebrochen. Einige dieser Äste hatten wir sogar extra mit Stangen gestützt um genau das zu verhindern. Bei anderen hätten wir aufgrund des Winkels und der Stärke des Astes/Stammes nie gedacht, dass sie brechen würden – wir hätten sie wohl auch nicht zu stützen vermocht, wenn wir gewollt hätten.

Ich sehe es und meine Lust weiter zu machen sackt in die Hose. Das bedeutet stundenlanges aufräumen, Ernteverlust im Bereich der hunderten Kilogramm und außerdem, dass meine Bäume beschädigt sind, und überhaupt haben wir gerade so viel anderes zu tun. Pfui! Wenn ich mir vorstelle, was die Apfelbauern durchgemacht haben müssen, denen es vorletztes Jahr mit dem späten Nassschnee die ganzen Plantagen kaputt gemacht hat. Zum Glück steht bei unserem Streuobst noch weit mehr als die Hälfte. Verluste ja, aber kein Totalausfall.

Aber trotzdem sind es solche Rückschläge, die man in der Romantik-Version des Traums vom Leben auf dem Land nicht vorsieht. Wir haben uns ja an viele Ärgernisse gewöhnt, aber irgendwann reichts dann auch mal. Während ich das schreibe liegt einiges von dem Holz und den Äpfeln auch noch auf der Weide. Meine Laune und meine Einstellung haben sich aber geändert:

Erstens geht es vielen Bauern in der Gegend so. Ich darf also von meinem Muster abweichen, die alleinige Schuld in meiner Unfähigkeit zu sehen, die Bäume richtig zu stützen. Außerdem haben die Bäume schon einige große Schnittflächen, wo wohl schon früher sterbende oder gebrochene Äste entfernt wurden. Alte Hochstämmer sind eben so. Ja, wir haben uns dafür entschieden, Streuobst zu haben, und offensichtlich ist das einfach, was es bedeutet Streuobst zu haben. Die Koglerin erinnert mich daran, dass wir eh 16 junge Bäume gepflanzt haben, und wieder pflanzen werden, und dass zum Kreis des Lebens eben auch das Ende der Alten dazu gehört. Ja, die Worte hör ich wohl, aber zu trösten haben sie mich erst nach einer Weile vermocht.

Nachbar Elmar nimmt’s auch halbwegs locker: Immerhin brennt Apfelholz fast so gut wie Buche, also haben wir für den nächsten Winter schon einen Teil der Waldarbeit gemacht.

So kann man es wohl auch sehen, und das ist ein bisschen weniger dunkel als der Frust, der von mir Besitz ergriffen hat. Ein Schritt nach dem andern, genießen was man hat, erinnern, warum man sich dafür entschieden hat. Erinnern, was man noch erreichen will, und dass Rückschläge zum Weg gehören, erinnern, dass der Weg auch Ziele hat, die sich lohnen, dafür zu schwitzen. Hoffen, dass Freundinnen, Bekannte und Kunden auch weiter mit uns gehen werden, und dass wir hier mehr erzeugen als nur ein bisschen essen.

Langsam hebt sich die Laune, die Ohren sind wieder offen für das Fiepsen und Piepen der Hühnerkücken, für das Zwitschern der Vögel und das Rascheln der Katzenjungen beim Spielen im Gebüsch.

 

Achja. Und vielleicht hilft die Perspektive, dass wir dieses Jahr nicht nur Apfelsaft machen, sondern mit Nachbars Hilfe das Projekt Obstler angehen wollen.

Frühlingserwachen

Frühling. Mir und Rufus, unserem Zuchtwidder, hat er eine Reihe von Begegnungen beschert, die unser Verhältnis neu definiert haben. Ich sch… mich, um ehrlich zu sein, ziemlich an vor ihm, spätestens seit er einmal hochschwangeren Besuch mit Kind an der Hand gerammt hat, um seine ihrerseits hochträchtigen Weibchen zu verteidigen. Ja eh, ist seine Aufgabe, und es ist auch niemandem was passiert, er hat quasi nur angedeutet, was er kann. Doch seitdem gilt für alle: niemals den Rücken zudrehen, sich so kurz wie möglich bei ihm aufhalten, kein Streicheln und Verwöhnen (er genießt das zwar sehr, es senkt aber angeblich auch seine Angriffshemmung, wenn er einen dann doch als Gefahr wahrnimmt).

Jedenfalls, der Frühling. Derzeit haben wir drei Herden: die Männchenherde, bestehend aus Rufus und seinen bereits geschlechtsreifen Söhnen; die Melkherde, bestehend aus allen Melkschafen, ihren Jungen sowie Kurt, dem neuen Widder; die große Herde, bestehend aus allen Auen, die nicht gemolken werden, und ihren Lämmern.

Rufus der Schöne

Die Rufusherde ist immer draußen, die Nacht verbringen sie im Unterstand. Die anderen beiden Herden werden morgens hinaus und abends herein getrieben. Dieses Prozedere wiederholte sich jeden Tag mehr oder weniger ereignislos, bis der Frühling den Bäumen in die Knospen und Rufus in die Glieder fuhr. Der Zaun ist jetzt eine Empfehlung bzw. eine ideale Gelegenheit, Kraft und Männlichkeit unter Beweis zu stellen, in dem man das 1,50m hohe Drahtgeflecht aus dem Stand überwindet. Genau das hat Rufus gestern gemacht, und da ich allein zuhause war, war das übliche Delegieren der Rufusangelegenheiten an den Bauern nicht möglich (Danke, Bauer, an dieser Stelle für alles bisher Geleistete). Man muss jetzt dazusagen, der Kerl wiegt eineinhalbmal so viel wie ich, also der Widder. Es macht ihn auch nicht weniger beängstigend, dass er, sehr schaf-untypisch, reglos und mit allzeit bereit gesenktem Kopf stehen bleibt, wenn man auf ihn zugeht. Ich habe also kurz überlegt: jetzt trächtige Weibchen heißt im August Lämmer heißt mehr Schafe über den Winter füttern heißt mehr Heu machen müssen heißt weniger Urlaub im Sommer… und weiter überlegt: irgendwie werde ich schon mit dir fertig werden.

Kurt der Neue

Da er ja freundlicherweise stehenbleibt, konnte ich ihm in aller Ruhe meine Jacke um den Hals legen und die zusammen genommenen Ärmel als Zügel verwenden. Ein bisschen Schieben, Ziehen und selbst Gezogen werden später war er wieder, wo er sein sollte. Dachte ich, denn bei einem Kontrollblick ein paar Minuten später stand er vergnügt wieder mitten in der großen Herde voller Weibchen mit Trächtigkeitspotential. Das Ganze hat sich ein paar Mal wiederholt, bis ich ihn in den Stall gesperrt habe, das Problem harrt derzeit einer Lösung. Aber darum geht es grade gar nicht, was zählt ist: Rufus macht mir keine Angst mehr! Manchmal fühle ich mich schon wie eine richtige Bäurin.

 

Winter 16/17

Lange ist der letzte Beitrag her. Lange habe ich nicht daran gedacht zu posten. Aber mein Vater hat mich freundlicherweise daran erinnert.

Der Herbst ist allerdings schon vorbei und der Winter beginnt gerade offiziell. Die Tage werden länger, aber bis sie wärmer werden kann es wohl noch dauern.  Einstweilen habe ich im Radio einen Beitrag über den „Mythos weiße Weihnachten“ gehört. Wir hatten im November kurz (ca. 1 Tag) Schnee, aber das ist Schnee von gestern. Im Gegensatz zu letztem Jahr wäre es jetzt kalt genug für Schnee, aber es fällt keiner.

Immerhin haben wir heute zum Mittwinter Reif auf den Bäumen. Man sieht die Mikroklimata, wenn oben am Hügel der Reif ist, und drüben an der Straße der Reif ist, aber dazwischen, am Hang und im Graben, wo sich der Nebel scheinbar nicht verfangen hat, haben wir das normale Winterbraun. Da ist Nachbars Fichten-Kultur ein angenehmer Grünblick, in dieser Grau-Braunen Winterlandschaft.

Aber schimpfen will ich gar nicht. Wir werden immer wieder mit Sternenklaren Nächten beschenkt, die jetzt im Mittwinter schon ab fünf Uhr Abends bestaunt werden können.