Frauenvolksbegehren 2018

Der Bauer in seiner Funktion als Vizebürgermeister bzw. Ortsparteivorsitzender hat mich gebeten, für den SPÖ-Gemeindekurier einen kurzen Text über das Frauenvolksbegehren zu schreiben. Et voilá. Exklusiv und vorab hier für alle, die unseren Blog verfolgen. Im Lauf der Woche auch in 1.300 St. Stefaner Haushalten. Hoffen wir, es nützt was! Zur Sicherheit hier nochmal für alle, die nicht in einem St. Stefaner Haushalt wohnen und es noch nicht getan haben: Unterschreiben! von 1. bis 8. Oktober in jedem Gemeindamt. Für eine menschliche Zukunft!

 

Wozu ein Frauenvolksbegehren?

Um ein Zeichen zu setzen: für eine Zukunft, in der alle Menschen gleich gute Chancen haben, das Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Egal, ob sie als Mädchen oder Buben auf die Welt gekommen sind.

Ist das nicht ohnehin schon so?

Frauen sind öfter in Teilzeit beschäftigt und verfügen damit über weniger Einkommen – jetzt und in der Pension; Frauen sind für den Großteil der Hausarbeit, der Kindererziehung und der Altenbetreuung zuständig; Frauen sind wesentlich seltener in politischen Ämtern als Männer. All das erschwert die Chancen, das eigene Leben nach seinen Bedürfnissen zu gestalten.

Hinzu kommt, dass es seit dem Regierungsantritt im Dezember 2017 eher rückwärts als vorwärts geht. So wurde etwa das Unterrichtsprinzip, das Lehrkräfte dazu auffordert, Kinder im Sinne der Gleichstellung von Frau und Mann zu erziehen, abgeschafft. Dafür gibt es jetzt den 12-Stunden-Tag, der es Eltern noch schwerer machen wird, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Soll ich auch unterschreiben, wenn ich nicht jede Forderung gut finde?

Ja. Denn es geht darum, ein Zeichen zu setzen. Je mehr Menschen unterschreiben, umso deutlicher ist dieses Zeichen. Im Frauenvolksbegehren stehen Forderungen, die als Denkanstöße zu sehen sind – nicht alles davon wird eins zu eins umgesetzt werden. Ein starkes Volksbegehren aber signalisiert dem Parlament und der Regierung: Wir wollen, dass ihr euch mit diesem Thema ernsthaft auseinandersetzt und die bestmöglichen Entscheidungen trefft.

Soll ich auch als Mann das Frauenvolksbegehren unterschreiben?

Unbedingt! Finden Sie, dass Frauen für gleiche Arbeit gleich viel verdienen sollen? Hätten Sie gerne, dass Beruf und Familie für Väter und Mütter leichter zu vereinbaren sind? Wollen Sie, dass junge Menschen aufgeklärt werden und sich Verhütungsmittel leisten können?

Es heißt Frauenvolksbegehren, aber es geht auch um Buben und Männer und um die Frage, wie unser Zusammenleben aussehen soll.

Wo kann ich mich informieren, wo unterschreiben?

Samstag, 29. September, 09:00 bis 13:00 Marktplatz St. Stefan. Bei Kaffee und Kuchen stellen sich Vizebürgermeister Mag. Nikolaus Bösch-Weiss und Heike Grebien vom Frauenvolksbegehren Ihren Fragen!

Das Volksbegehren kann in jedem Gemeindeamt unterschrieben werden, in St. Stefan zwischen 1. und 8. Oktober, Montag bis Freitag von 08:00 bis 12:00, Dienstag 16:00-19:00

Das Schweigen des Lammes

Wenn Auen ihren Lämmern antworten, ertönt ein tiefes, sanftes Brummen. Ein beruhigender, fast leiser Laut, der sagen will: Ich bin hier, alles ist gut.

Wenn Schafe unzufrieden sind, etwa weil sie auf eine neue Weide wollen, Wasser oder sonst etwas brauchen, erklingt ein lautes und penetrantes Blöken: hier stimmt was nicht, ändere das! Es ist ganz und gar unmöglich, diesen Klageruf auf Dauer zu ignorieren. Bisher kannten wir ihn nur als vielstimmiges Konzert, weil der ganzen Herde irgendetwas nicht gepasst hat. Scarface, eines unserer Mutterschafe, hat unserer Wandlung von Stadtmenschen zu Bauersleuten diesbezüglich unlängst ein Kapitel hinzugefügt.

Zunächst einmal hat sie auf der Weide Zwillinge zur Welt gebracht. Alles soweit gut, eine erfahrene Aue, große Euter, ausgeprägter Mutterinstinkt.  So wie meistens, wenn die Tiere im Freien lammen, haben wir das Ganze erst mitbekommen, als die lieben Kleinen schon da waren: noch ein wenig feucht, aber schon auf den wackeligen Beinen.

Am nächsten Tag aber blökt sie eine unüberhörbare, unablässige Beschwerde, irgendetwas will sie uns mitteilen. Sie kann ja nicht wissen, dass ich mich gerade zehn Minuten hinlegen wollte. Ich stehe also auf und sehe nach dem Rechten. Sie ist allein neben dem Unterstand, der Rest der Herde ist weit weg, am untersten Ende der Weide. Um sie herum: ein Lamm. Ja genau, eines. Eine etwa zweistündige Suchaktion beginnt, ich und die Altbäuerin sowie der Altbauer, die gerade bei uns weilen, lassen nichts aus. Die Wiese ist hoch genug, um ein so junges Lamm zu verbergen, wir durchkämmen also jeden Quadratmeter und schauen in alle Schlupfwinkel im Unterstand. Nichts, weder tot noch lebendig. Scarface hat sich derweil mitsamt Lamm wieder zum Rest gesellt, selbst das tapferste Mutterschaf hält es nicht auf Dauer ohne seine Herde aus. Wie die anderen rupft sie Kräuter und Gräser, vergisst aber nicht, immer wieder zu blöken. Als ob wir nicht schon unser Möglichstes tun würden! Dabei blickt sie immer in dieselbe Richtung, hinauf zum Unterstand. So, als müsste ihr Kleiner jeden Augenblick angepurzelt kommen.

Nach unzähligen Malen den Hügel rauf und wieder runter geben wir auf, und ich hoffe, sie wird bald dasselbe tun. Dann kommt der Bauer nach Hause, ich muss ihm nicht erst mitteilen, was los ist, er hört es. Anders als ich hat Scarface nicht eingesehen, dass das zweite Lamm verschwunden ist, sondern ist zurückgekehrt zum Unterstand. Sie ruft weiter, mal leise brummend nach dem Lamm, mal laut blökend um Hilfe. Keine fünf Minuten später bin ich es, die gerufen wird. Vom Bauern, mit der Bitte, eine Taschenlampe mitzubringen… das Lamm hat geantwortet.

Unter der Futterraufe im Unterstand haben zwei verrutschte Ziegel ein kleines Schlupfloch frei gegeben, das direkt unter die benachbarte Scheune führt. Gutes Versteck für ein Nickerchen, muss der kleine Kerl sich gedacht haben. Während ich ihn gesucht habe, hat er also geschlafen, und als er aufgewacht ist und nicht mehr rausfand, hat er nach seiner Mama gerufen. Die ist prompt gekommen und hat Verstärkung geholt. Die Rettungsaktion haben wir in Bildern festgehalten, vom Versteck bis zur Familienzusammenführung. Held der Geschichte: der Bauer. Heldin der Geschichte: Scarface. Also starring: die Bäurin, die Altbauersleute, das Lamm.

Der einzige Zugang zum Versteck (für Menschen)
Auf dem Weg hinein…
… und wieder heraus
Das gerettete Lamm, mit Original-Rückständen aus dem Versteck
Scarface und ihre Lämmer wieder vereint (links das Gfrast)