Die Würde des Spargels

Der Spargel in Zeiten des Covid

Die Corona-Krise hat eines sehr deutlich gemacht: In Österreich findet man nicht genug Leute, die zu den derzeitigen Arbeitsbedingungen als Erntehelfer arbeiten gehen. Das heißt im Umkehrschluss: Die Arbeitsbedingungen sind nicht attraktiv. Sie holen keinen österreichischen Hund hinter dem Ofen hervor.
Die Arbeit ist nicht von Dauer, sondern Saisonarbeit. Sie ist schlecht bezahlt. Es gibt wenig bis keine soziale Absicherung. Alles das ist Teil des Erntehelfer-Daseins. (Dank an jeden Bauern, der bessere Bedingungen bietet. Leider bestimmen andere den Marktpreis!)
Ein guter Teil unseres Essens wird von Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen angebaut und geerntet.

Als Kleinbauer heißt das für mich: Wenn ich versuche, ein Gemüse auf den Markt zu bringen, konkurriere ich gegen Ausbeuterlöhne. Gegen Hungerlöhne, für die man die Leute aus ärmeren Ländern extra holen muss. Im Krisenfall sogar einfliegt.
Ich habe also die Wahl: Entweder bin ich viel teurer als der Markt, und tu mir schwer, meine Produkte zu verkaufen, oder ich werde billiger, und tu mir schwer, von meiner Arbeit zu leben.
Schlechte Löhne für Ausländer sind also für mich selber schlecht. Sie bedrängen auch uns österreichische Kleinbauern ganz ordentlich. Der Großbauer, der Erntehelfer anstellen kann, der profitiert. Der Kleinbauer krepiert. Stellt euch vor, die Erntehelfer würden ordentlich verdienen – dann könnte auch ich zu einem normalen Preis anbieten, und davon leben.

Liebe Klein-Bauern aus St. Stefan im Rosental, aus der Südoststeiermark ,und überhaupt aus Österreich: Wie oft hat unsere Interessensvertretung gefordert, dass die Löhne für die Erntehelfer steigen müssen? Wie oft wurde unsere Arbeit entwertet, weil ein andrer es noch billiger macht/machen muss?

Melken 2020

Unser zweites Video ist online. Hier erfahrt ihr, wie wir beim Melken so tun.

Update April:

Mittlerweile melken wir andere Schafe. Immer wenn die Söhne drei Monate alt werden, trennen wir sie von den Müttern. Ab drei Monaten ist nämlich mit der Geschlechtsreife zu rechnen. Und da wollen wir keine Inzucht wollen, kommen die jungen Männchen dann zu den anderen Männchen.

Dann hat die Mutter aber kein Lamm mehr, und man müsste sie entweder zweimal am Tag melken, oder eben trocken stellen. Derweil, und weil so viel anderes zu tun ist, und weil jetzt sowieso ein paar andere Schafe gelammt haben, haben wir Celine und Marta gehen lassen.

A propos die anderen: Wir mischen die Melkherde von jung bis alt. Die Jungen sind oft noch nicht so leicht zu melken, weil ihre Zitzen eher klein sind und sie das Prozedere noch nicht kennen. Wir stellen sie deswegen jetzt schon jeden Tag kurz in den Melkstand, um sie daran zu gewöhnen. Jedes Jahr werden ein paar alte Schafe ausgemustert und ein paar junge für’s Melken trainiert.

Isa ist übrigens schon eine richtige Käsemacherin, und wir haben kürzlich zum ersten mal so richtig erfolgreich Schafs-Camembert gemacht. Aber dazu ein andermal.

Wie findest du das Video? Hast du noch Fragen dazu? Was sollten wir beim nächsten Video unbedingt gleich / anders machen? Lass uns einen Kommentar da!