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Die Würde des Spargels

Der Spargel in Zeiten des Covid

Die Corona-Krise hat eines sehr deutlich gemacht: In Österreich findet man nicht genug Leute, die zu den derzeitigen Arbeitsbedingungen als Erntehelfer arbeiten gehen. Das heißt im Umkehrschluss: Die Arbeitsbedingungen sind nicht attraktiv. Sie holen keinen österreichischen Hund hinter dem Ofen hervor.
Die Arbeit ist nicht von Dauer, sondern Saisonarbeit. Sie ist schlecht bezahlt. Es gibt wenig bis keine soziale Absicherung. Alles das ist Teil des Erntehelfer-Daseins. (Dank an jeden Bauern, der bessere Bedingungen bietet. Leider bestimmen andere den Marktpreis!)
Ein guter Teil unseres Essens wird von Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen angebaut und geerntet.

Als Kleinbauer heißt das für mich: Wenn ich versuche, ein Gemüse auf den Markt zu bringen, konkurriere ich gegen Ausbeuterlöhne. Gegen Hungerlöhne, für die man die Leute aus ärmeren Ländern extra holen muss. Im Krisenfall sogar einfliegt.
Ich habe also die Wahl: Entweder bin ich viel teurer als der Markt, und tu mir schwer, meine Produkte zu verkaufen, oder ich werde billiger, und tu mir schwer, von meiner Arbeit zu leben.
Schlechte Löhne für Ausländer sind also für mich selber schlecht. Sie bedrängen auch uns österreichische Kleinbauern ganz ordentlich. Der Großbauer, der Erntehelfer anstellen kann, der profitiert. Der Kleinbauer krepiert. Stellt euch vor, die Erntehelfer würden ordentlich verdienen – dann könnte auch ich zu einem normalen Preis anbieten, und davon leben.

Liebe Klein-Bauern aus St. Stefan im Rosental, aus der Südoststeiermark ,und überhaupt aus Österreich: Wie oft hat unsere Interessensvertretung gefordert, dass die Löhne für die Erntehelfer steigen müssen? Wie oft wurde unsere Arbeit entwertet, weil ein andrer es noch billiger macht/machen muss?

Melken 2020

Unser zweites Video ist online. Hier erfahrt ihr, wie wir beim Melken so tun.

Update April:

Mittlerweile melken wir andere Schafe. Immer wenn die Söhne drei Monate alt werden, trennen wir sie von den Müttern. Ab drei Monaten ist nämlich mit der Geschlechtsreife zu rechnen. Und da wollen wir keine Inzucht wollen, kommen die jungen Männchen dann zu den anderen Männchen.

Dann hat die Mutter aber kein Lamm mehr, und man müsste sie entweder zweimal am Tag melken, oder eben trocken stellen. Derweil, und weil so viel anderes zu tun ist, und weil jetzt sowieso ein paar andere Schafe gelammt haben, haben wir Celine und Marta gehen lassen.

A propos die anderen: Wir mischen die Melkherde von jung bis alt. Die Jungen sind oft noch nicht so leicht zu melken, weil ihre Zitzen eher klein sind und sie das Prozedere noch nicht kennen. Wir stellen sie deswegen jetzt schon jeden Tag kurz in den Melkstand, um sie daran zu gewöhnen. Jedes Jahr werden ein paar alte Schafe ausgemustert und ein paar junge für’s Melken trainiert.

Isa ist übrigens schon eine richtige Käsemacherin, und wir haben kürzlich zum ersten mal so richtig erfolgreich Schafs-Camembert gemacht. Aber dazu ein andermal.

Wie findest du das Video? Hast du noch Fragen dazu? Was sollten wir beim nächsten Video unbedingt gleich / anders machen? Lass uns einen Kommentar da!

 

 

#Staythefuckhome

Also. Es ist so weit. Was am Anfang ausgeschaut hat, wie die 15. Staffel von Sars, Mers, H5N1, PANIC-Attack ist ernster als gedacht, und bei uns angekommen.

Diese Woche, ungefähr am 11.3. hat man mitverfolgen können, wie das Umdenken eingesetzt hat, und nicht nur bei „den Menschen“, sondern bei „uns Menschen“ also auch am Koglerhof.

Die Aufforderung, die Öffentlichkeit eher zu meiden und nach Möglichkeit home office zu machen, war für uns vielleicht nicht ganz so gravierend, wie für Stadtbewohner/innen. Wir sind ja ohnehin in der Kleinkind-Betreuung und fokussieren jetzt eben mehr auf den Bauernhof.

Da gibts wie immer viel zu tun: Melken und Tiere versorgen, das, was die Schafe an Heu übrig gelassen haben, raus bringen, um Heukartoffeln zu setzen, und eben einmal wieder Zeit haben für einen Blog-Post.

#Staythefuckhome beginnt gerade erst. Schauen wir, wie’s uns in nächster Zeit damit geht. Inzwischen haben wir uns auch (telefonisch) ein bisschen mit den NachbarInnen vernetzt, um anzusprechen, dass wir uns bei eventuellen Engpässen aushelfen wollen. So weit zum privaten.

 

Schauen wir uns das gesellschaftlich an, dann habe ich zwei Bereiche, die ich ansprechen will: Punkt 1 ist allgemein, Punkt 2 trifft genau die Landwirtschaft!

1. Wir kennen einige kleinere Betriebe, für die die kommenden Monate existenzbedrohend sein können. Nicht jeder kann Einkommensausfälle überbrücken. Kosten bleiben häufig zu bezahlen. Wenn „wir alle“ jetzt zusammen halten müssen, wenn wir alle jetzt solidarisch sind, um die Krankheit einzudämmen. Dann möchte ich, dass dieses „wir alle“ auch als starker Sozialstaat daher kommt, und die Leute auffängt, die ins Strudeln kommen. Lassen wir nicht zu, dass das eine Umverteilungsaktion nach oben wird!

2. Zum ersten Mal in lebendiger Erinnerung sind wir in Österreich mit so einem Krankheits-bedingten Sonderzustand konfrontiert. Und es droht die Wirtschaft zu kollabieren. Wir sorgen uns um unsere Verwandten, Nachbarn … Wir merken: Mit Krankheit ist nicht zu spaßen. Und jetzt kommt der Punkt, wo die Landwirtschaft ins Spiel kommt: Virale Erkrankungen sind das eine. Bakterielle das andere. Gegen Bakterien haben wir eine Superwaffe, das Antibiotikum. Haben oder Hatten?

Durch übertriebene Anwendung im Bereich der Humanmedizin, aber vor allem durch groß-industrielle Fleischproduktion in der „konventionellen“ Landwirtschaft entstehen immer mehr Bakterienstämme, die auf Antibiotika nicht mehr anschlagen. In der Fleischerzeugung werden häufig so viele Antibiotika eingesetzt, auch präventiv, auch als Wachstumsbeschleuniger, dass es früher oder später zu Resistenzen kommen muss!

Biologische Landwirtschaft und Umweltschutz sind also etwas, was wir heute schon tun müssen, um nicht in einigen Jahren einer Seuche noch größeren Ausmaßes gegenüber zu stehen. Was meint ihr dazu?

Öffentlichkeit war gestern. Heute wird von Zuhause gearbeitet

Den Schongang einlegen

Happy birthday to me… singt der Kogler leise vor sich hin, als ich um 6:00 früh bei der Tankstelle in Gleisdorf aussteigen will. Ich fühle mich wie die schlechteste Ehefrau der Welt. Ich habe eine Mitfahrgelegenheit zum agrarpolitischen Grundkurs in Oberösterreich gefunden, der Kogler ist mit dem ersten Kikeriki aufgestanden, um mich herzuführen. Und ich denke noch nicht mal daran, ihm alles Gute zu wünschen. Zu meiner Verteidigung habe ich anzuführen: Ich leide an Stilldemenz, das dafür verantwortliche Baby nehme ich mit zum Grundkurs und zwischen der Lammfleischlieferung nach Wien und dem Startschuss in Oberösterreich hatte ich einen Tag zu Hause, der mit dem Erledigen der dringendsten Haushalts- und Hofangelegenheiten mehr als dicht war, nach dem Packen war kurz vor Mitternacht und obwohl ich das Baby vorsorglich zum Kogler gelegt habe, damit ich ein paar Stunden ungestörten Schlaf kriege… jetzt habe ich den Faden verloren. Wie auch immer, ich hätte bestimmt im Laufe des Tages an seinen Geburtstag gedacht, und falls ich es noch nicht erwähnt habe: einen Hof als Kleinfamilie zu führen hat sich aus gutem Grund gesellschaftlich nicht durchgesetzt. Genauso wenig wie am Land nur ein Auto zu haben und das mit dem mobil sein trotzdem irgendwie hinzukriegen.

Dabei könnten wir moderne – sprich klimafreundliche und leistbare – öffentliche Verkehrskonzepte rein technisch und finanziell längst umsetzen, aber insbesondere dort, wo es konservative bis reaktionäre Mehrheiten gibt, fehlt es dazu am politischen Willen. Das beunruhigt uns, denn es ist auch unser Planet, um den es da geht, und auch unsere Kinder, denen wir die Zukunft rauben. Also setzen wir uns für Denkanstöße ein und für Veränderungen. Ich als agrarpolitisch gebildete Bäuerin, und der Kogler vizebürgermeistert und ortsparteivorsitzt, so gut er kann, um fortschrittliche Kräfte zu bündeln. Und weil nach dem Wahlkampf (Landtag) vor dem Wahlkampf (Gemeinderat) und auch ohne Kämpfe immer viel los ist, kann frau schon mal einen Geburtstag verschleppen. Der Kogler verzeiht mir fast sofort, ich selbst bin bis zum Abendessen auch wieder im Reinen mit mir. Und nutze die Gelegenheit, um mit den anderen Teilnehmenden über unsere Hühner zu sprechen. Genauer gesagt darüber, wie sich das Federvieh füttern ließe ohne dabei auf das zurückzugreifen, was der Mensch essen könnte, Stichwort Nahrungskonkurrenz. Der „Vogel, der täglich gebiert“ – so nannte man im alten Babylon das Haushuhn – braucht genau wie wir vor allem Kohlehydrate, Proteine und Fett, und ist ebenso ein Allesfresser.

Hühner gibt es auf dem Bauernhof also nicht nur, damit der Kogler rechtzeitig aufsteht oder die Jungkoglerinnen einmal im Jahr Nester suchen können (von wegen Osterhase, und eigentlich auch: von wegen einmal im Jahr). Es gibt sie, weil sie zaubern können: das, was im Rahmen der menschlichen Ernährung übrig bleibt, verwandeln sie in ein hochwertiges, gut verdauliches und vergleichsweise ressourcenschonend erzeugtes Lebensmittel, das Hühnerei. Küchen- und Schlachtabfälle, übrige Mahlzeiten, abgelaufene Lebensmittel, altes Brot – bekommen bei uns alles die Hühner. Die vertragen das selbst dann, wenn es nicht mehr ganz frisch ist. Auch Gras, Samen, Würmer und Insekten stehen auf ihrem Speiseplan, und wenn die Katzen eine Maus liegen lassen gibt es ein Hennenrennen: der Schnellsten hängt ein kleiner Nager aus dem Schnabel, der Rest der Schar ist ihr dicht auf den Federn.

Zum Nahrungskonkurrenten des Menschen wird das Huhn erst in der industrialisierten Landwirtschaft, wo sowohl Legehennen als auch Masthühner vor allem mit Getreide gefüttert werden. Jetzt muss man natürlich schon auch erwähnen, dass da mitunter zu Viehfutter wird, was eigentlich für den Menschen angebaut aber nach der Ernte als zu klein/groß/hässlich oder sonst wie nicht handelstauglich klassifiziert wurde. Oder Nebenprodukte der Nahrungsmittelerzeugung, etwa wenn Raps gepresst wird und ein Ölkuchen übrig bleibt. Ein zu großer Anteil der Futtermittel wird dennoch dort angebaut, wo stattdessen Nahrung für den Menschen wachsen könnte. Und auch hier am Koglerhof reichen die Reste nicht aus, um unsere kleine Schar von etwa zehn Hennen, deren Küken und ein paar Hähnen satt zu kriegen. Wir besorgen Weizen und Mais bei einer Futtermühle, und genau damit wollen wir aufhören: mit dem Zukaufen und wenn irgendwie möglich überhaupt mit dem Füttern von Getreide.

Natürlich weiß ich, dass es nicht einmal der viel zitierte Tropfen auf den heißen Stein ist, wenn wir unsere Handvoll Hühner anders füttern. Aber darum geht es ja nicht. Es geht um Denkanstöße und um das Ausprobieren von Alternativen. Genau darüber habe ich also mit den anderen geredet, und das waren die Vorschläge: sich mit ein paar hiesigen Haushalten zusammentun und das alte Brot sammeln; die Gaststätten im Ort fragen, was sie mit ihren Essensresten machen; die abgelaufene Ware aus den Supermärkten füttern.

Die Hühner also wieder zu dem machen, was sie auf Höfen seit Jahrhunderten sind: Resteverwerter. Dass das noch nicht im größeren Stil umgesetzt wird hat vermutlich viele Gründe. Einer davon könnte sein, dass es mit Vorschriften zur Fütterung, besonders in der Biolandwirtschaft, nicht so leicht zu vereinbaren ist. Ich werde dranbleiben, aber nicht sofort: Der Babysitter holt jetzt die Jungkoglerinnen ab, und wir feiern den Geburtstag nach.

Nach den Sternen greifen

Absoluten Neuigkeitswert hat das jetzt nach mehr als drei Monaten nicht mehr, aber der Vollständigkeit halber sei es erwähnt: Mathilda ist da! Ein fröhliches, entspanntes und selbstverständlich wunderschönes Baby.

„Nein“, habe ich zum Kogler gesagt, „diese Krämpfe im Bauch kommen wohl doch nicht davon, dass ich zu viele Milchprodukte gegessen habe. Lass uns fahren.“ Das war um Mitternacht vor jenem Morgen, an dem ich zum Einleiten der Geburt ins Spital bestellt gewesen wäre. Es war nämlich schon zehn Tage über dem errechneten Geburtstermin, und da kennt die moderne Schulmedizin dann keine Gnade mehr. Ich aber auch nicht, denn das Einleiten wollte ich um jeden Preis verhindern. Also habe ich alles ausprobiert, was dem Körper und dem Kind angeblich auf die Sprünge hilft: Stundenlang spazieren gehen, literweise Hebammentee trinken, ein heißes Bad nehmen und innerlich mit dem Baby verhandeln. Okay, fast alles, die Bauerneinleitung haben wir ausgelassen, obwohl es gerade in unsrem Fall durchaus seinen Charme gehabt hätte, wenn genau das die Wehen auslöst.

Jedenfalls, ein paar Stunden nach Spaziergang, Tee, Bad und Verhandlung sind sie wirklich losgegangen, und ob das nicht so oder so passiert wäre lässt sich nicht mehr feststellen. Ebenso wenig wissen wir, warum Mathilda beschlossen hat, sich zwar brav mit dem Kopf nach unten dabei aber dem Gesicht nach oben in mein Becken zu begeben. Der Kogler und ich haben unmittelbar bevor es losging den letzten Teil der sensationellen ARTE Mondlandedoku gesehen, und da fand sie es vielleicht passend, als Sternenguckerchen auf die Welt zu kommen. Und so ist zwar zunächst alles ruck zuck gegangen, aber plötzlich ist sie festgesteckt, und der Arzt war der Meinung, wir müssen den Druck, sprich die Wehen verstärken. Das fand ich nicht so super, weil mir waren die eh schon wild genug, aber ich ließ mich überzeugen. Wenn ich das jetzt so Revue passieren lassen denke ich mir: Hey, du hast zwischen den Wehen im Kreißsaal mit einem Arzt verhandelt, ziemlich lässig. Die mentale Geburtsvorbereitung hat sich ausgezahlt! Den Kogler dabei haben natürlich auch, der hat mich, wie vorher vereinbart, noch dreimal gefragt, ob das jetzt wirklich in Ordnung für mich ist, einen Wehenverstärker zu bekommen. Und meinen Arm zum Einführen der Kanüle erst freigegeben, nachdem ich das dreimal bestätigt habe. Es war dann immer  noch ein Kraftakt, sie aus dieser ungünstigen Schädellage über die Engstelle im Becken zu manövrieren, aber wir haben es geschafft, und keine fünf Stunden nach den ersten Wehen tat sie ihren ersten Schrei. Ich wollte unbedingt, dass das Baby sofort auf meinen Bauch gelegt wird, so wie es ist, wäre aber selber zu erschöpft gewesen, darauf zu bestehen. Auch das hat der Kogler für mich übernommen, und die Hebamme hat mit dem Abwischen gewartet, bis wir unseren Moment hatten. Geweint habe ich auch diesmal nicht in erster Linie vor Rührung, sondern weil ich froh war, dass es vorbei ist.

Richtig ergriffen war ich dann ein paar Stunden später, als die große Jungkoglerin, die in der Zwischenzeit mit Oma und Opa Haus und Hof gehütet hat, die kleine Jungkoglerin kennen lernte. Es zeigte sich vom ersten Moment: klar ist sie eifersüchtig, aber nicht auf ihre Schwester, sondern darauf, dass sie nicht alles, was wir mit dem Baby machen, auch darf oder kann. Mittlerweile ist der Alltag zu viert bei uns eingekehrt, und im September haben wir auch wieder begonnen zu hosten. Drei Leute aus Kolumbien waren da, die daheim Sozialarbeit im Gefängnis machen und mit uns leidenschaftlich gern politische Diskussionen geführt haben. Sie sprachen kaum Englisch, was umso besser für unser Spanisch war. Über die jüngsten Wahlergebnisse in Kolumbien haben sie sich sehr gefreut. Dann ein Paar mit Kleinkind aus Deutschland, die Mama sehr jung, gerade am Beginn ihres Studiums, und genau so wollte sie das. Sie leben im ehemaligen Osten, und schon für ihre Mutter und ihre ältere Schwester war es ganz klar, das geht, mit Kind studieren, und es wird von Seiten der Uni und des Staates so selbstverständlich ermöglicht, dass ich mich fast schon gefragt habe, warum ich das nicht so gemacht habe und ob das hierzulande auch so easy geht.

Auf meine Erholung im Wochenbett habe ich zunächst nicht ganz so brav geachtet. Dann aber wurden wir darauf hingewiesen, mit welchem zeitgenössischen Helden Mathilda ihren Geburtstag teilt, und da wusste ich, es ist wieder einmal  Zeit. Und sieben Bände Harry Potter kann man nicht lesen, ohne dabei viel zu liegen und sich auszuruhen. Seit Kurzem bin ich damit fertig, und nicht zuletzt das gibt mir die Gelegenheit, hier endlich mal einen neuen Beitrag zu schreiben. Es hat mir gefehlt, es soll wieder öfter vorkommen. Zu Erzählen gibt es genug, vom neuen Widder, vom warmen Herbst, von den Kindern, vom Leben am Land, von unseren Visionen. Hinweis an den Kogler: eine gute Stunde habe ich jetzt für den Text gebraucht, inklusive nochmal Lesen (Er hat Angst, dass uns Hof, Familie, Erwerbsarbeit, Politik und regelmäßig Schreiben zu viel werden. Ich auch. Habe ich schon mal erwähnt, dass sich ein Hof als Kleinfamilie mit Selbstverwirklichungsambitionen kaum führen lässt? Workaway ist wirklich großartig, aber Menschen die dauerhaft hier mit uns leben wären auch echt super).

Apropos Ambitionen: Ende des Monats beginnt der Agrarpolitische Grundkurs der ÖBV (Österreichische Berg- und Kleinbäur*innen Vereinigung), und ich gehe davon aus, ich werde bereuen, dass ich den Kurs nicht schon viel früher gemacht habe.

 

Reich

Wir können nicht ständig Blumenfotos posten, sage ich vor ein paar Tagen zum Kogler, als er mal wieder eine der wunderschönen Dahlien vor dem Haus auf unsere Social-Media-Accounts hochladen will. Weil erstens: wir sind ein Bauernhof mit Aufklärungsanspruch, da müssen der Facebook und Instagram-Auftritt mehr bieten als schöne Bilder. Und zweitens: In meiner politischen Sozialisation habe ich gelernt, dass nichts so sehr für konservative Häuslichkeit steht wie Blumen, besonders solche vor Fenstern oder in Vasen.

Jetzt ist es aber so, dass ich gerade ständig Blumen abzwicke und als Zierde im Haus arrangiere, und das dann auch wirklich hübsch aussieht und mich selber zum Posten verführt – siehe Titelbild. Also brauche ich eine Begründung, warum das eh in Ordnung ist. Dafür greife ich wieder einmal auf die über hundert Jahre alte und dennoch hoch aktuelle Forderung Brot und Rosen [1]von amerikanischen Gewerkschafterinnen zurück. Es ist nämlich so, dass wir seit einer guten Woche nur noch darauf warten, dass die zweite Jungkoglerin zur Welt kommt. Davor haben wir noch ziemlich viel rund um den Hof erledigt, Holz spalten, Hähne schlachten, die erste Mahd einbringen, am neuen Hühnerhaus weiterbauen, die Mirabellenernte zu Kompott verarbeiten, den Gemeinschaftsgarten pflegen… alles mit Hilfe von helfenden Workaway-Händen. Seit dem 10. Juli, also etwa 10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin, geben sich Familienmitglieder die Klinke in die Hand, um uns die Routinetätigkeiten abzunehmen und Haus, Hof und die schon vorhandene Jungkoglerin zu betreuen, wenn es dann wirklich losgeht. Apropos: die wird fünf, einen Tag vor dem Termin, ihr Kommentar dazu: Dann hab ich halt ein Geschrei an meinem Geburtstag. Und dank Patentante und Großeltern eine richtig geile Kinderparty am Hof, mit Topfklopfen, Wasserbomben werfen, Lagerfeuer und Würstel grillen. Und Einhorntorte, das eine oder andere Zugeständnis an liebliche Trends und Moden unter Kindern, die man eigentlich eher (konsum)kritisch sieht, muss man machen.

Doch zurück zu den Blumen bzw. der Tatsache, dass ich gerade so viel Zeit und Unterstützung habe, dass ich lauter Dinge tun kann, die sonst einfach nie wichtig genug sind. Die Brotlade sauber machen etwa, Regenjacken imprägnieren, jahrelang gewachsene Stöße von Magazinen aussortieren, Kinderzeichnungen aufhängen, Einhorntorten selber backen und verzieren und eben das Zuhause mit Blumen verschönern. Keine Frage, dieser Anfall von Häuslichkeit muss mit den Hochschwangerschaftshormonen zu tun haben, aber dass ich die Möglichkeit habe, ihn auszuleben, hat mit Brot und Rosen zu tun. Mit Mutterschutz und Wochengeld, um genau zu sein. Das Prinzip einfach erklärt: die werdende Mutter wird für einige Wochen vor und nach der Geburt von der Notwendigkeit freigestellt, für ihren Lebensunterhalt zu schuften. Den Verdienstentgang übernimmt eine solidarische Allgemeinheit, im österreichischen Fall die jeweilige Sozialversicherung. Seit den 80er Jahren (1980er!) auch für Bäurinnen, in Form von Betriebshilfe oder als Geldleistung, damit man die Hilfe selber organisieren oder eine Zeit lang auf die Herstellung marktfähiger Produkte verzichten kann. Oder beides, Hauptsache es ermöglicht der Bäurin – und dem Bauern! – einfache, nicht notwendige, das Leben und die Umgebung verschönernde Dinge zu tun. Es lebe das Reich der Freiheit! Und alle, die uns so großartig unterstützen in diesen Tagen.  Wir werden ein Fest des Lebens, der Liebe und der Solidarität feiern, der neuen Erdenbürgerin und euch zu Ehren, wir freuen uns darauf.

 

[1] Aus einer Rede der New Yorker Gewerkschafterin Rose Schneiderman, 1911: “The woman worker needs bread, but she needs roses too”. Gefordert wird damit nicht nur ein gerechter Lohn (Brot), sondern auch ein Leben, das diesen Namen verdient, mit Freizeit, Tanzen, Schlemmen, Lagerfeuern, Gedichten, Rotwein usw. (Rosen). Oder um es in den Worten der ÖBV-Frauen auszudrücken: Wir wollen das gute Leben für alle!

Resistente Keime durch konventionelle Landwirtschaft

 

Gestern in der Kleinen Zeitung:

  • in 5 von 14 Fleischproben konnten resistente Keime nachgewiesen werden.

Was das heißt: Unsere Art Essen herzustellen bedroht unsere Art zu Leben.

Wir haben uns schon sehr daran gewöhnt: Wenn wir ernsthaft krank sind, gibt es Medizin, die uns gesund macht. Das könnte sich ändern.

  • Billiges Fleisch könnte unser Leben kosten.

Hier ist der Artikel verlinkt

Deswegen einmal mehr: Biologische Landwirtschaft darf kein Luxus der Reichen sein. Umweltpolitik ist Sozialpolitik.

 

p.S: Gleichzeitig entschuldige ich mich, wenn wir gerade nicht so viel neues Posten: Das Gras wird hoch, am neuen Hühnerhaus bauen wir, der Motormäher ist gerichtet ,der Traktor steht in der Werkstatt, und so hält uns der Bauernhof gerade ein bisschen davon ab über den Bauernhof zu schreiben.

pp.S.: Beitragsbild… eher zufällig aus dem was ich hatte gewählt. Soll die Betrachtung im großen Zusammenhang symbolisieren.

Schreibt ihr uns doch derweil, hier in den Kommentaren!

Danke Postillon.com: Männliches Küken: „Kükenschreddern gehört verbo…zzzrx“

Wieder einmal wird in Deutschland über die umstrittene Praxis des millionenfachen Schredderns männlicher Küken diskutiert. Ein soeben auf einer Legehennenfarm in der Nähe von Bonn frisch geschlüpfter Junghahn hat dazu eine klare Meinung.

Quelle: Frisch geschlüpftes männliches Küken findet: „Kükenschreddern gehört verbo…zzzrx“

„Kükenschreddern gehört verbo…zzzrx“, so das flauschige kleine Vögelchen, während es über die Kante seines Laufbandes in eine Häckselmaschine fällt. Ein etwas später geschlüpftes Küken nimmt den Faden auf und erklärt: „Was mein Bruder sagen wollte, war: Wir haben ja auch ein Recht auf…Krzkrzz“
Das nächste Küken führt den Gedanken weiter aus: „Jährlich werden in Deutschland 45 Millionen von uns auf diese Weise… srtzftz“
Ähnlich sieht es das Küken dahinter: „Es ist ein Unding, dass das Leben eines Hahns weniger…krzzz“
Sein Nachfolger meint: „Mir ist das Thema eigentlich relativ ega…zrxxxz“
Das Küken danach kommt wieder auf das Thema Kükenschreddern zurück. „Ständig wird versprochen, endlich mal was zu ändern, aber nix pa…frrrrrzk“
„Und bis endlich irgendwann was passiert, geht das hier einfach wei…kstzrk“
„Weiter und weiter und weiter un…krzzzrk“
„Kaum ist man auf der Welt und scho…rzkrkx“
„Wenn das hier Katzenbabies oder Welpen wä….krkrkrkrkrt“
„45 Millionen mal im Ja…fazrkk“
„Anderthalb geschredderte Küken pro Seku…zxkzkkk“
„In manchen Geflügelfabriken werden wir auch mit CO2 verga…frzkzz“
„Warum essen Menschen trotzdem noch Ei…frtzkwx“
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat eigentlich verspro…zwrxk“
Zrrxk, krrzk, frzrkx, rzkzfzk, zrkzzz, frzkz…

Schon am Morgen müde

Ja, so gehts uns grad wieder. Und warum? Weil man einen Bauernhof nicht als Kleinfamilie führen kann! Ich muss das immer und immer wieder betonen, und irgendwann werde ich einen Ratgeber für Stadtfluchtwillige schreiben, darüber, worauf sie sich gefasst machen sollten. Das heißt, es geht schon, aber dann müsste man davon leben können und in der rein bäuerlichen Tätigkeit seine ganze Erfüllung finden, 365 Tage im Jahr. Ich kann mich jetzt zum Beispiel entscheiden, ob ich den Wein schneide oder mich mit der Frage beschäftige, warum kleinbäuerliche Betriebe – und auch sonst alle – das neue Tierschutzvolksbegehren in der derzeitigen Fassung nicht unterschreiben sollten. Ich kann also entweder süße Trauben ernten oder mir Zeit für Politisches nehmen. Aber ich will doch beides, Brot und Rosen! Und Menschen, die dauerhaft hier mit uns leben. Und eine Hofwärts Solidargemeinschaft, ernähren kann dieses Stück Land nämlich mehr Menschen als uns.

Habt ihr denn zur Zeit keine Hilfe gegen Kost und Logis, fragen sich jetzt vielleicht manche der Lesenden. Doch, immer wieder, für ein paar Tage oder mal eine Woche, aber grade keine langfristigen Aufenthalte. Und von Hand melken zum Beispiel lernt man nun mal nicht nach ein, zwei Tagen. Besonders herausfordernd wird es, wenn der Kogler und die Nachwuchsbäurin auf dem Weg in den Kindergarten noch auf einen Abschiedskuss vorbeikommen und einen beim Verlassen des Stalls einsperren. Macht der Gewohnheit, sagt der Kogler entschuldigend am Telefon, aus dem Stall rausgehen, Tür verschließen. Würd ich auch behaupten. Nach getaner Melkarbeit komme ich also nicht wieder raus, zum Glück gibt es einen Hinterausgang über den Misthaufen. Dazu muss man durch den Melkstand kriechen, an sich schon nicht ganz einfach, und ein Babybauch erleichtert die Sache nicht gerade.

Als ich dann fluchend über den Kogler den Misthaufen runterstapfe, höre ich aus dem anderen Stall das hohe Stimmchen eines neugeborenen Lamms und dieses großartige Mutterschafgeräusch, von dem ich gar nicht genug kriegen kann: ein sanftes, tiefes, leises Brummen. Hier bin ich, alles gut. Als ich  nachsehen gehe, stupst Fortuna das eine ihre beiden noch nassen Kleinen grad mit der Nase Richtung Euter, und ich bin vollends im siebten Hofhimmel. Die Sonne scheint, vor dem Haus blühen die Narzissen in verschiedenen Gelbtönen, ich mache mir einen Tee und setze mich zum Schreiben dieser Zeilen auf die Terasse.

Jetzt recherchiere ich weiter, denn müde hin oder her, solange nicht alle verstanden haben, dass kleinbäuerliche Strukturen die notwendige – wenn auch nicht hinreichende – Voraussetzung für ressourcenschonende, regionale, solidarische, tierschützende und resiliente Nahrungsmittelversorgung sind, gibt es noch viel zu tun.

Ein Versuch

Nachdem Isa in letzter Zeit auf Instagram unterwegs ist, und wir das gleich auch auf Facebook teilen (Pfui!), teile ich ihre letzten beiden Beiträge mal hier:

 

Ein Grund, warum wir vermehrt Facebook und Instagram nutzen, liegt darin, dass wir auf dem Blog so gut wie keine Rückmeldung darüber haben, ob es überhaupt von jemandem gelesen wird. Der letzte Kommentar ist leider schon Monate her.

Wenn ihr uns also eine Freude machen wollt, dann kommentiert bitte mal wieder was!